Dirndlschürze nähen

Dirndlschürze nähen

In früheren Zeiten diente die Schürze eines Dirndls vor allem als Schutz vor Dreck und Schmutz. Auch wurde sie genutzt, um eine Handvoll Kartoffeln vom Feld oder Äpfel aus den Vorratskammern zu transportieren. Heute ist sie ein Blickfang eines jeden Dirndls und muss auf Festen und Feiern höchstens ein paar Tropfen Bier oder Wein vertragen.

Die Dirndlschürze bringt Abwechslung in die Dirndlgarderobe und kann von der Farbe und dem Stoff zum Dirndl passen (dunkelblauer Rock und hellblaue Schürze) oder einen Kontrast setzten (dunkelblauer Rock und rote Schürze). Eine Dirndlschürze kann einem Dirndl ein neues, frisches Erscheinungsbild verleihen. Auch alte Dirndl werden mit einer modernen Dirndlschürze aufgewertet und erstrahlen in neuem Licht.

Die Dirndlschürze ist ungefähr 2 bis 3 cm kürzer als der Dirndlrock, in manchen Regionen auch 10 bis 12 cm. Wenn der Rock beispielsweise 88 cm lang ist, dann ist die Schürze ca. 85 cm lang. Die Schürze wird aus einem rechteckigen Stück Stoff genäht. Dieser wird oben auf verschiedene Arten gerafft oder gefaltet und mit einem Band aus dem Stoff der Schürze oder alternativ einem Satinband abgeschlossen. Wie der Oberstoff für das Mieder und den Rock sollte auch der Schürzenstoff nicht dehnbar sein. Diese Stoffe eignen sich gut für eine Dirndlschürze:

  • Baumwolle
  • Spitze
  • Satin
  • Seide
  • Dupionseide
  • Chiffon, Organza, Taft, Tüll bestickt

Mehr Informationen zu geeigneten Stoffen und Trachtenstoffen finden Sie in unserem Artikel „Trachtenstoffe kaufen“.

Stoff und Materialien für die Dirndlschürze

Je nach Art der Schürze, die Sie nähen wollen, benötigen Sie folgende Materialien und Hilfsmittel:

  • Stoff (1,40 m bis 1,50 m breit)
  • Nähmaschine
  • Lineal
  • Maßband
  • Schneiderschere
  • Fadenschere
  • Stecknadeln
  • Schneiderkreide oder Markierstift
  • Nähgarn
  • Knopflochseide
    Optional:
  • Stiftelband, Hanselband
  • Stanzband
  • Satinband

Dirndlschürzen – Welche Arten und Techniken gibt es?

Gefaltete Schürze

Bei der gefalteten Schürze werden die Falten gleichmäßig am oberen Teil der Schürze gelegt, mit Stecknadeln geheftet und mit der Nähmaschine vernäht. Die Breite der Falten liegt dabei in Ihrem eigenen Ermessen. Wenn der Stoff Längsstreifen oder längliche Bordüren hat, dann sollte man darauf achten, dass die Falten mit dem Muster gelegt werden, damit das Ergebnis ein ruhiges und harmonisches Bild ergibt. Der Stoff kann in Messerfalten oder in Kellerfalten gelegt werden. Abhängig von der Faltentechnik ist auch, wie viel Stoff man in der Breite für die Schürze benötigt.

Gestiftelte Schürze

Nicht nur der Dirndlrock, sondern auch die Dirndlschürze kann gestiftelt werden. Diese traditionelle Handarbeitstechnik ist etwas mehr Aufwand, jedoch lohnt sich die Arbeit, denn das Ergebnis ist umso schöner und eleganter. Für das Stifteln benötigt man ein kariertes Stiftelband (Hanselband), das am oberen Ende des Schürzenblatts befestigt wird. Im nächsten Schritt wird in jeder zweiten Reihe des Stiftelbands horizontal der Faden oder die stabilere Knopflochseide in drei oder sieben Reihen von Hand durchgefädelt. Der Stoff wird zum Schluss an den Fäden entlang zusammengezogen. Je mehr Reihen man stiftelt, desto breiter wird der schmückende Stifteleffekt.

Hinweis
Achten Sie bei der gestiftelten und der eingereihten Arbeitstechnik darauf, dass die Fäden an den Seiten lang genug sind. Die Fäden werden nach dem Stifteln und Einreihen verknotet und verarbeitet. Beim Einreihen mit der Nähmaschine darf zudem der Anfang und das Ende der Fäden nicht verriegelt werden.

Eingereihte Schürze

Einfach und am schnellsten geht das Einreihen einer Dirndlschürze. Dabei werden zwei oder mehr parallele Nähte mit der Nähmaschine und mit langer Sticheinstellung mit 1 cm Abstand aufgesteppt. Nachdem Sie die Ober- und Unterfäden an den Seiten miteinander verknotet haben (das dient lediglich dazu, um sprichwörtlich „den Faden nicht zu verlieren“), ziehen Sie die zwei oder vier Unterfäden gleichzeitig an. Der Stoff wird so auf die jeweilige Bundbreite gerafft und die Oberfäden werden leicht nachgezogen. Der Stoff legt sich in kleine, unregelmäßige Fältchen und kann nach Augenmaß verschoben werden. Wenn das Maß für die Taille, die Bundbreite, erreicht ist, werden die Enden der Oberfäden und die Enden der Unterfäden nicht abgeschnitten, sondern später mit der Seitennaht abgesteppt.

Hinweis
Die Bundbreite einer Schürze entspricht dem Taillenumfang minus 4 cm. Damit sitzt die Schürze perfekt vor dem Bauch und hat links und rechts zur Silhouette jeweils 2 cm Abstand.

Zuschnitt für die Dirndlschürze

  • Rechteckiger Stoff mit einer Nahtzugabe von 1,5 cm und einer Zugabe für den Saum von 5 bis 10 cm. Damit die Schürze 2 bis 3 cm über dem Dirndlrock endet, bedenken Sie, dass zu dem Schürzenblatt noch der Bund hinzukommt. Wenn der Schürzenstoff eine Bordüre oder Stickerei am Saum hat oder Sie keine Meterware sondern ein Schürzenrapport verwenden, dann ist das genaue Berechnen und Abmessen umso wichtiger.
  • Zwei Bundteile, der Innenbund und der Außenbund, mit einer Breite von 5 bis 6 cm und einer Länge des halben Taillenumfangs plus 1,5 cm Nahtzugabe an den Seiten.
  • Zwei Bindebänder mit einer Breite von ca. 16 cm und einer Länge, die abhängig von der Schürzenlänge ist. Die Schleifenbänder sollten nach dem Binden der Schleife nicht über die Rocklänge hinausragen. Soll die Schleife vor dem Bauch gebunden werden, beträgt die Länge ungefähr zweimal den Taillenumfang plus 20 cm für die Schleife. Bei einer Schleife, die im Rücken gebunden werden soll ungefähr einmal den Taillenumfang plus 20 cm für die Schleife.
Hinweis
Wenn die Bänder mit einer Schürzenschließe geschlossen werden sollen, dann müssen die Bänder exakt auf den Taillenumfang abgemessen werden.

Nähanleitung Dirndlschürze

  1. Schneiden Sie den Stoff für die Schürze nach dem Schnittmuster oder nach Vorlage einer vorhandenen Schürze zu. Für den Saum kalkulieren Sie 5 bis 10 cm ein und für die Seitennähte jeweils 1,5 cm.
  2. Im nächsten Schritt falten, stifteln oder reihen sie den Schürzenstoff an der Oberseite ein, so wie oben im Artikel beschrieben. Ihr Schürzenblatt ist nun gerafft oder gefaltet.
  3. Legen Sie das eine Bündchen, das später äußere Bündchen, rechts auf rechts an die Oberkante Ihres gleichmäßig gerafften oder gefalteten Schürzenblatts und stecken Sie die beiden Teile mit Stecknadeln fest. Steppen Sie das Bündchen schmal an die Schürze. Achten Sie auf die Stoffzugabe auf beiden Seiten von 1,5 cm. Diese benötigt man später, um die Schürzenbänder einzunähen.
  4. Jetzt legen Sie das zweite Bündchen, das später innere Bündchen, rechts auf rechts und Kante auf die Oberkante des äußeren Bündchens und nähen Sie beide Teile zusammen.
  5. Falten Sie die Schleifenbänder längs in der Mitte so, dass die rechte Seite innen ist. Heften Sie die Kanten mit Stecknadeln aneinander und nähen Sie diese mit kurzen Stichen zusammen. An den Enden nähen Sie ab ungefähr 5 bis 7 cm schräg zur Kantenmitte und schneiden den überstehenden, dreieckigen Stoff ab. Sie erhalten damit Schleifenbänder mit einer abgeschrägten Spitze an beiden Enden. Stülpen Sie die Schleifenbänder mithilfe eines Kochlöffels oder einem anderen langen Gegenstand um und bügeln Sie die Bänder.
  6. Nun werden die Bindebänder an den Bund genäht. Formen Sie an der offenen Seite eines der Bänder eine Kellerfalte und legen Sie das Band Kante an Kante auf die rechte Seite des äußeren Bündchens. Das Schleifenband liegt jetzt horizontal auf dem äußeren Bund. Klappen Sie dann das innere Bündchen um, sodass das Schleifenband in den beiden Bündchen verschwindet. Stecken Sie alle Kanten mit einer Stecknadel fest und steppen Sie die Seitennaht fest. Wiederholen Sie den Vorgang mit dem zweiten Schleifenbändchen auf der anderen Seite. Stülpen Sie zum Schluss die Bündchen mit den seitlichen Schleifenbändchen um, sodass die jeweils rechte Seite außen ist.
  7. Jetzt können Sie das innere Bundteil fest steppen. Klappen Sie dafür die Nahtzugabe nach innen und nähen es von der rechten Seite der Schürze fest. Achten Sie darauf, dass Sie zum einen eine gerade Naht produzieren und zum anderen den Stoff und die Nahtzugabe auf der unteren, linken Seite nicht „verlieren“.
  8. Als Nächstes steppen Sie die linke und rechte äußere Kante der Schürze mit der berechneten Nahtzugabe von 1,5 cm schmal und mit kleinem Stich ab. Wenn Sie eine gestiftelte oder eingereihte Schürze genäht haben, dann können Sie nach dem Absteppen die überstehenden Ober- und Unterfäden abschneiden.
  9. Zum Schluss wird der Saum einmal mit einem Zickzackstich an der Kante abgesteppt und dann final doppelt eingeschlagen und vernäht. Das können Sie mit der Nähmaschine machen oder, der elegantere Weg, am Saum von Hand mit einem Hohlstich. Der Hohlstich ist eine „Zaubernaht“, die man von rechts nicht sieht, da beim Nähen immer nur ein paar Fäden des äußeren Stoffs aufgenommen werden. Durch die berechnete Nahtzugabe und das doppelte Einschlagen bekommt die Schürze am Saum genügend Schwere und sie fällt schön und gleichmäßig.
Hinweis
Um es sich beim Verarbeiten und Nähen leichter zu machen, empfehlen wir Ihnen, das Schürzenblatt, die Bündchen und die Schleifenbänder nach jedem Schritt zu bügeln.

Foto: Depositphotos.com @ VitalikRadko

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